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 Christentum
Thomas Offline

mishtatef


Beiträge: 297

29.07.2006 11:17
Zerrieben von der Intifada: Christen im Heiligen Land antworten

Zerrieben von der Intifada: Christen im Heiligen Land
Christlichen Gemeinden droht das Aussterben: Selbst in Bethlehem, der Geburtstadt Christi, sind Christen in der Minderzahl DT vom 13.08.2002
Von Rudolf Pesch

Die Fotos aus Bethlehem gingen um die Welt: Mönche verabschieden händeschüttelnd und winkend die letzte Gruppe jener Palästinenser, die 39 Tage lang die Geburtskirche besetzt gehalten hatten. Von Israel als „Terroristen“ gesucht und schließlich von einigen europäischen Ländern aufgenommen, schienen die Besatzer mit ihren strahlenden Gesichtern einen großen Sieg zu feiern, schließlich hatten sie die Welt in Atem gehalten. Aber nur dies? Haben sie nicht auf ganz eigene Weise die Überlegenheit des Islam über Juden und Christen demonstriert? Diese Ansicht vertritt jedenfalls Srdja Trifkovic in einem Beitrag des „Chronicles Magazine“, einer im amerikanischen Bundesstaat Illinois erscheinenden Monatszeitschrift.

Sie schreibt: „Schon durch ihre Wahl der Bühne für das, was alsbald eine Propa-ganda-Schau wurde, haben die muslimi-schen Bewaffneten ... die Kirche ... entweiht ... Sie verwandelten eine Ecke der alten Kirche in eine improvisierte Moschee. Sie versuchten sogar, sieben ihrer Kameraden ... in der Kirche oder auf ihrem Gelände zu begraben, wobei sie offensichtlich beabsichtigten, eine der heiligsten Stätten der Christenheit in einen Ort für eine islamische Wallfahrt zu den gefallenen ‚Märtyrern‘ zu verwandeln.“

Aber warum haben die christlichen Hüter der Geburtsbasilika die muslimischen Besatzer wie gute Freunde verabschiedet? Waren sie vielleicht nicht in der Lage, das Vorgefallene zu deuten? Lag dies vielleicht daran, dass sie mit der islamischen Welt zu wenig vertraut sind?

Die verschwiegene globale Christenverfolgung

Srdja Trifkovic rührt solche Fragen auf und nimmt dabei ein Buch zu Hilfe, das in Italien für große Diskussionen gesorgt hat: „Antonio Socci, Untersuchungen zur antichristlichen Toleranz im neuen Jahrhundert der Märtyrer“.

Antonio Socci behauptet darin, dass seit dem Jahr 1990 jährlich durchschnittlich 160000 Christen getötet wurden. Die große Mehrheit dieser Christen fiel Muslimen in der Dritten Welt zum Opfer.

Trifkovic nimmt die Besetzung der Ge-burtskirche in Bethlehem zum Anlass, auf die Gleichgültigkeit gegenüber dieser weltweiten Christenverfolgung hinzuweisen. Beim Medienspektakel um die Geburtsbasilika seien zwei Dinge übersehen oder in den Hintergrund gedrängt worden: Zum einen das allmähliche Verschwinden des kleinen Restes von Christen im Nahen Osten. Und zum anderen die bemerkenswerte Zurückhaltung der post-christlichen, westlichen Welt angesichts dieses drohenden Aussterbens der Christen im Heiligen Land. Es sei zu befürchten, dass in zwanzig Jahren im Heiligen Land nur noch ein Prozent der Bevölkerung christlich sei und die christlichen Gemeinden aussterben.

Wurde die Geburtskircheabsichtlich entweiht?

Was sich in der Geburtsbasilika abgespielt hatte, war am 24. Mai in „Ha Aretz“ vom Korrespondenten des „Corriere della Sera“, Lorenzo Cremonesi, so beschrieben worden: „Ich besuchte die Geburtskirche drei Stunden nach Ende der Belagerung, noch bevor die Mönche mit der Reinigung beginnen konnten ... Der Dreck, der sich innerhalb des Gebäudes angesammelt hatte, war in der Tat schrecklich ... Da gab es so-viel Essensvorräte, so dass die Belagerten einiges verderben lassen konnten.“

Während jedoch Cremonesi meint, es habe keine absichtliche Entweihung der heiligen Stätten gegeben, vertritt Srdja Trifkovic eine gegenteilige Meinung. Sie sieht die neununddreißig Tage von Bethlehem im Zusammenhang einer gegenwärtigen globalen Christenverfolgung in der muslimischen Welt – und im Zusammenhang einer langen Leidensgeschichte der Christen unter dem Islam.

Trifkovic macht darauf aufmerksam, dass sich eine in sich zerstrittene Christenheit im Heiligen Land nicht zwischen Juden und Muslimen wird halten können: „Einstmals blühende christliche Gemeinden sind jetzt Minderheiten, zerrieben zwischen den miteinander streitenden Juden und Musli-men, die sich gegenseitig hassen mögen, die aber allzu oft die Aversion gegen das Christentum gemeinsam haben.“ In Israel selbst würden die einheimischen arabischen Christen mit den muslimischen Palästinensern gleichgesetzt. 1948, bei der Errichtung des jüdischen Staates, seien zwei Drittel der palästinensischen Christen vertrieben worden. Aber auch innerhalb der Palästinensischen Autonomie Arafats würden die Christen mit Misstrauen als Nicht-Muslime betrachtet und von ihren muslimischen Mitbürgern israelischen Repressalien ausgesetzt.

Unter dem britischen Mandat hatte Beth-lehem noch eine christliche Bevölkerungsmehrheit von neunzig Prozent, inzwischen sind die Christen zur Minderheit gewor-den. Trifkovic zieht deshalb den Schluss: „Institutionalisierte oder verdeckte Diskriminierung, denen Christen in Syrien, Israel, Ägypten und im Libanon unterworfen sind ... haben zu einem Exodus beigetragen. Er droht die an Christus Glaubenden im Land seiner Geburt und seines Lebens zum Verschwinden zu bringen“.

Trifkovic liegt daran, den modernen Mythos vom angeblich toleranten Islam aufzuklären. „Der Islam wurde durch das Schwert ausgebreitet und hat sich seine ganze Geschichte hindurch durch das Schwert gehalten,“ schreibt sie. William Muir – er lebte von 1819 bis 1905 –, einer der bedeutendsten Orientalisten, habe am Ende seiner großen Karriere als seine Überzeugung geäußert, „dass das Schwert Mohammeds und der Koran die verhängnisvollsten Feinde der Zivilisation, der Freiheit und Wahrheit seien, welche die Welt bisher gesehen habe.“

Neuere Versuche von Verteidigern des Is-lam, den Dschihad, also den islamischen Heiligen Krieg, nur noch „spirituell“ zu erklären, konfrontiert Trifkovic mit der Praxis in der bisherigen Geschichte: „Friede“ habe die muslimische Welt immer im Sinne eines „Waffenstillstands“ verstanden, der angesichts eines überlegenen Feindes vorübergehend akzeptiert wird.

Wenig Anhaltspunkte für einen „toleranten Islam“

Wenn das Verständnis des „Dschihad“ geändert werden solle, dann müsste seine kriegerische Auslegung bis hin in die Kreise der palästinensischen Selbstmordattentäter oder der Besatzer der Geburtskirche in Bethlehem in aller Klarheit und Offenheit kritisiert werden.

Aber käme das nicht einer Selbstaufgabe des Islam gleich? Trifkovics Beitrag, mit dem die christliche, die westliche Welt aufgerüttelt werden soll, schließt mit folgender Überlegung: „Der Islam, eine in der Wüste geborene Religion, hat den Dschihad hervorgebracht und bleibt durch den Dschihad bestimmt, sein für den Rest der Welt wichtigstes Konzept.“ Aus dem Dschihad sei ein politischer Imperialismus entstanden, der keine natürlichen Grenzen seiner selbst kenne.

Das sei auch der Unterschied zur christlichen Theorie vom ‚gerechten Krieg‘, die in internationalen Gesetzen und Vorschriften bis hin zur Genfer Konvention verankert worden sei.


Quelle Tagespost
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Ein Weg entsteht, indem man ihn geht. (Chuang-tzu)

Pierre Offline

Pantheist


Beiträge: 220

29.07.2006 12:33
#2 RE: Zerrieben von der Intifada: Christen im Heiligen Land antworten
Ganz nach dem Leitspruch:

"Danke, wir haben miteinander genug Probleme, wir benötigen nicht auch noch deine."

Die Christen können es sich untereinander auch ganz tüchtig geben!
Ein Beispiel aus der Vergangenheit gefällig, wo Äpfel mit Äpfel verglichen werden?

Trotz des durch die Verträge zwischen Churchill und de Gaulle besiegelten Vertrauens waren die Beziehungen teilweise gespannt, aber niemals ungesund. Als Churchill mangels besserer Argumente de Gaulle vorwarf: „Aber Sie sind nicht Frankreich! Sie sind das kämpfende Frankreich, das haben wir alles schriftlich festgelegt“ erwiderte de Gaulle sofort: „Ich agiere im Namen Frankreichs. Ich kämpfe an der Seite Englands, aber nicht auf Rechnung Englands. Ich rede im Namen Frankreichs und bin ihm zur Rechenschaft verpflichtet.“ Churchill erwiderte daraufhin resignierend: „Ich hatte gehofft, mit Ihnen Seite an Seite zu kämpfen. Aber meine Hoffnungen wurden enttäuscht, denn wenn Sie so kämpferisch wie unzufrieden sind, gegen Deutschland, Italien und Japan zu kämpfen, wollen Sie bestimmt auch gegen England und Amerika kämpfen...“. De Gaulle rückte die Debatte zurecht, indem er präzisierte: „Ich fasse dies als einen Scherz auf, aber er ist nicht von bestem Geschmack. Falls es einen Mann gibt, über den sich die Engländer nicht beschweren können, dann bin wohl ich es.“ Die Beziehungen zu Franklin Delano Roosevelt waren problematischer, da der amerikanische Präsident kein Vertrauen in de Gaulle hatte. In der Tat hassten sie sich. Ein Zitat von de Gaulle an Churchill erklärt in Teilen die französische Haltung angesichts der amerikanischen Arroganz: „Ich bin zu arm, um mich zu beugen“. (Wikipedia)

Verglichen damit, wer den Vergleich nicht scheut, sind die Schilderungen im vorangegangenen Beitrag eher mit den berühmten Äpfel und Birnen zu bennenen. Verschiedene Begebenheiten aus den unterschiedlichsten Ebenen prallen aufeinander, Wirklichkeiten die man sich nicht aussuchen kann, gewiß. Auch deren Problematik ist offensichtlich und wird all zu gerne als Grund angeführt, sich einer übergeordneten und geregelten Einigung zu wiedersetzen. Zwar ist das auf politischem und militärischem Gebiet eindeutig möglich, jedoch auf der religiösen Schiene sind offensichtlich die Agierenden mit zu wenig Selbstvertrauen ausgestatten - woher dies kommen mag?

Pierre

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